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5G: Wundermittel oder Utopie?

Mit dem Aufbau des 5G-Netzes und dem wachsenden Internet der Dinge wird rund um den Globus zunehmend alles vernetzt. Dank der Technik soll in nicht allzu ferner Zukunft eine Hochgeschwindigkeitsverbindung für alle verfügbar sein. Eine realistische Einschätzung zum Thema versucht Philipp Bolliger, CEO bei Thingstream, im folgenden Beitrag.

Der Bedarf an 5G wird hauptsächlich durch den Trend zur Smart City getrieben. In einer wirklich intelligenten Stadt sind alle Dinge miteinander verbunden. Das bedeutet, dass Autos einen intelligenten Dialog mit Verkehrssystemen führen, Haushaltsgeräte mit Versorgungsunternehmen kommunizieren oder Müllwagen direkt mit Mülltonnen kommunizieren werden. Damit dies realisierbar ist, muss jede Menge Bandbreite zur Verfügung gestellt werden – und hier kommt 5G ins Spiel. Mit einer theoretischen Download-Geschwindigkeit von 10.000MBit/s und einer extrem niedrigen Latenzzeit bietet 5G alles, was eine Smart City an Konnektivität braucht. Es scheint so, als ob 5G aus allen oben genannten Gründen existenziell sein wird für das IoT. Für Nutzer, die sich in Ballungsräumen befinden, ist dies bis zu einem gewissen Grad tatsächlich der Fall. Für diejenigen, die außerhalb dieser urbanen ‚Versorgungsblasen‘, über Grenzen hinweg oder in Gebieten tätig sind, in denen noch nicht einmal 3G richtig implementiert ist, sieht die Sache anders aus. Für einen Großteil der Welt wird 5G für mehrere Jahre außer Reichweite sein.

Bild: Thingstream

Nicht für alle geeignet

In Bezug auf die Konnektivität und angesichts des Tempos des Wandels in der Branche könnte die Fokussierung auf 5G überaus kurzsichtig sein. Einfach ausgedrückt: Wenn eine IoT-Lösung nur auf eine einzige Konnektivitätsmethode angewiesen ist, funktioniert sie nur an Orten, an denen diese Konnektivität verfügbar ist. Kurzfristig wird die 5G-Konnektivität in die gleiche Kategorie wie LoRa und SigFox fallen, d.h. die Konnektivität wird nur in den Versorgungsblasen bestehen. Wenn Geräte außerhalb dieser Blase betrieben werden, benötigen sie eine andere Konnektivitätsoption. Die häufigste Option ist hier die 5G-Vorgängergeneration 4G/LTE. Im Falle einer Roaming-Daten-Vereinbarung können IoT-Geräte weiterhin außerhalb der Grenzen der stärkeren Netzwerke betrieben werden. Dies ist jedoch mit erheblichen und manchmal unvorhersehbaren Kosten verbunden. Zudem ist möglicherweise dann immer noch nicht die vom Unternehmen benötigte Abdeckung gegeben. Die 4G/LTE-Abdeckung ist vielerorts bestenfalls lückenhaft, wenn man sich das Gesamtbild ansieht. Viele Länder haben noch nicht aufgerüstet und einige haben diesen Schritt noch nicht einmal auf dem Radar. Selbst in entwickelten Industrienationen wie Deutschland ist 4G immer noch sehr instabil, wenn man sich außerhalb der großen Städte bewegt. Kombiniert man den Mangel an flächendeckender 4G-Versorgung mit potenziell hohen Datenkosten, wird schnell klar, dass ein 5G/4G-basiertes IoT-Netzwerk nicht für alle geeignet ist.

2G als Alternative

Wenn man nicht auf die TCP/IP-Schicht des Mobilfunknetzes zurückgreifen will, lassen sich Nachrichten über das sprachbasierte GSM-Netz (2G) senden und empfangen. Der große Vorteil der Verwendung von 2G ist die Abdeckung. 2G ist in über 190 Ländern weltweit verfügbar, in den meisten Fällen parallel zur 3G- und 4G-Kommunikation. Wo die Länder noch nicht auf 3G oder 4G umgestellt haben, wird 2G in der Regel von mehreren Anbietern unterstützt. Das Problem bei der Verwendung dieser im Wesentlichen alten Technologie ist nach Meinung von Thingstream, dass sie nicht auf Dauer verfügbar sein wird. In Ländern, in denen die Vollversorgung durch 4G/5G angeboten wird, soll 2G abgeschaltet werden, zumindest eventuell. Bei IoT-Implementierungen, die nur auf 2G basieren, wird dies in Zukunft zu Problemen führen. Wie weit wir in die Zukunft schauen müssen, hängt vom jeweiligen Gebiet ab. So hat beispielsweise Südkorea 2G bereits abgeschaltet, aber es gibt immer noch Länder der Dritten Welt, die noch keinen Zeitpunkt für eine vollständige 3G-Einführung genannt haben, geschweige denn für eine vollständige Implementierung von 4G oder gar 5G. Für diese Länder könnte die Einführung von 5G bis zu zehn Jahre oder mehr entfernt sein. Selbst Länder mit einer guten 4G-Abdeckung sind möglicherweise noch eine Weile davon entfernt, 2G vollständig abzuschalten. In Ländern, in denen die mobile Einführung nur langsam voranschreitet, hatten Unternehmen bislang keine andere Wahl, als die älteren Technologien zu nutzen. So ist beispielsweise in vielen afrikanischen Ländern die Verwendung von USSD-Shortcodes (eine textbasierte Messaging-Komponente von 2G) üblich geworden, um Benutzern von Feature-Telefonen den Zugriff auf Websites und Anwendungen zu ermöglichen. Aus diesem Grund wird 2G noch einige Zeit lang eine sehr kostengünstige Option bleiben.

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